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News

Kurs "Anwendung
von EFT bei Kindern"
Bielefeld
11. März 2012

Stand 14. Dezember 2011

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Das vergessene Gedicht

Christian, acht Jahre, zweite Schulklasse, zeigt schon länger Lernblockaden und Rechenschwäche. Ich wollte ihm ein Erfolgserlebnis vermitteln und fragte ihn, ob er ein Gedicht kennen würde. "Ja, 'schöne Welt', aber ich weiß nicht mehr, wie es geht, habe ich wieder vergessen." Ich ermunterte ihn, sich zu erinnern, vielleicht auch nur eine Zeile davon, seine Erinnerungsversuche blieben jedoch erfolglos. Ich fragte ihn noch, ob er auch mit dem Computer umgehen könne, fragte ihn nach Begriffen wie Festplatte, Programm, Datei usw., was er alles gut kannte. Ich machte ihm klar, dass das Gehirn auch nur ein Computer ist mit Festplatte usw. und klopfte mit ihm: "Auch wenn ich gerade diese Gedichtdatei nicht auffinden kann, bin ich vollkommen o.k. und weiß, dass es irgendwo versteckt sein muss" und "diese versteckte Gedichtdatei", "Auch wenn ich diese Datei irgendwie verlegt habe, ich bin dennoch ein klasse Christian, dann schalte ich eben mein Suchprogramm ein und lasse es finden." Hier wechselte ich bei den Klopfrunden immer wieder mit "diese verschwundene Datei" und "ich schalte mein Suchprogramm ein" und "ich lasse diese Datei finden", "Auch wenn meine Bahnen irgendwie eine Störung haben, mache ich diese Bahnen jetzt frei" und "diese Störung in den Bahnen" und "ich mache sie jetzt frei." Ich bat ihn dann, das Gedicht aufzusagen. Ohne zu zögern legte er los: "Goldene Welt ..." Ohne zu stottern oder lange nachzudenken, spulte er das ganze Gedicht - also etliche Zeilen - ohne jeglichen Fehler und mit betontem Vortrag herunter (man beachte, dass der Titel sich leicht verändert hat). Während er dies tat, überkam mich ein leichter Schauder im Rücken angesichts meines überraschten und ergriffenen Erstaunens. Und ich ließ ihn das Gedicht nochmals wiederholen mit dem gleichen Ergebnis. Er war positiv überrascht und seine Gesichtszüge hellten sich merklich auf.
Ich übte dann noch das Vierer-Einmaleins mit ihm, das er vor Kurzem gelernt hatte. Er hatte noch Lücken und brauchte viel Zeit. Ich machte ihm klar, dass Zahlen auch nichts anderes als Zeichen sind, so wie es auch Buchstaben sind und dass er das Einmaleins wie ein Gedicht aufsagen kann, nämlich als Zeilen: "zwei mal vier ist acht" – die Zeile eines Gedichtes. Und er kann sich dies ja merken, wie eine Gedichtzeile. Wir fanden dann noch den Ausdruck: "das Vierer-Lied". Nachdem ich ihm eine Aufgabe gestellt hatte (z.B. sieben mal vier), klopfte er den Punkt Außenseite des Auges und vervollständigte dabei seine Zeile: "sieben mal vier ist achtundzwanzig." Es fiel ihm überraschend leicht, sich jetzt zu konzentrieren und zu erinnern.
Nach der Stunde kam seine Mutter, um ihn abzuholen. Wir zeigten ihr, was er erreicht hatte: er wiederholte ohne Probleme das Gedicht (obwohl er mindestens eine halbe Stunde mit Rechnen beschäftigt gewesen war. Und er konnte anschließend leicht das "Vierer-Lied" aufsagen und einzelne Zeilen wiedergeben. Die Mutter war sichtlich bewegt und nahm ihren Sohn liebevoll in ihre Arme. (Horst Benesch)


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